Die Party-Dekade der 90er

Neubeginn an der Schwelle des Jahrtausends – die Party-Dekade der 90er

Was Psychedelic Rock für die 1960er-Jahre bedeutete, übernahmen nur wenig später Techno und Grunge. Die beiden Stilrichtungen haben sowohl in der Musik als auch in der Mode des 20. Jahrhunderts Spuren hinterlassen. Die Trends der Neunziger sind heute angesagter denn je – und verleihen der Jugend die gleiche ungestüme Ausdruckskraft wie einst.

Politisch und medial beeinflusst

In der letzten Dekade des Millenniums änderte sich die Weltordnung grundlegend. Überall wurden die Menschen von einer Aufbruchs-Stimmung erfasst, die sich vor allem im medialen Bereich widerspiegelte. Technische Neuerungen wie Tamagotchis, Mobiltelefone, Computer und Musik-Videos sprachen bevorzugt junge Leute an – und brachten Ältere an den Rand des Wahnsinns. Das Motto schneller, lauter, bunter schlug sich sowohl im Lifestyle als auch in der Modewelt nieder. Die Trends der 1990er-Jahre waren meist nur kurzlebig; dafür aber zahlreich und besonders intensiv:

Nachhall aus den Eighties

Zu Beginn des Jahrzehnts wurde das Bild noch von Blousons mit Schulterpolstern, Sportanzügen aus Ballonseide und so genannten Schnee-Jeans dominiert. Sie stammten aus der Endphase der wilden 80er und verströmten etwas wohltuend Gleichförmiges in den unsicheren Anfangszeiten der Neunziger. Schon bald aber wurde das modische Einerlei auf vielfältige Weise variiert:

Schulterpolster verschwanden ersatzlos und tauchten erst um 2010 herum wieder auf. Sportliche Ensembles wandelten sich zu individuell zusammengestellten Kombinationen aus Hose und Sweatshirt oder Hose und Kapuzenjacke. Vor allem bei den Jungs war Oversize beliebt – was binnen Kurzem zu Beinkleidern mit extrem tief hängendem Bund bzw. Gesäßteil führte, den so genannten Baggy- oder Saggy-Pants.

Sie fanden sich auch in der Jeans-Mode wieder; wobei hier jetzt wieder klassische Färbungen Einzug hielten. Einfach gehaltene Modelle wurden gern mit Textil-Malereien, Stickereien oder Glitzersteinchen verziert und mit dazu passenden Jacken komplettiert. Ohnehin war Denim das Must-have für alles. Wer in den 1990er-Jahren etwas auf sich hielt, „be-jeanste“ sich von Kopf bis Fuß. Für Hardcore-Fans des robusten Materials gab es sogar Stiefel, Hüte und Handtaschen aus Jeans-Stoff.

Musikalisch inspiriert

Ebenfalls aus vergangener Zeit datiert ein Einfluss, den viele als „typisch Neunziger“ empfinden: Techno. Doch ganz gleich, was Loveparade und durchtanzte Nächte suggerieren: Die Ursprünge dieses Musik-Stils liegen in den 1970er-Jahren. Eine dementsprechende Hommage stellte das Revival von Plateau-Sohlen dar. Ob sportliche Sneaker, luftige Sandalen oder elegante Pumps: in den 90ern ging es für Schuhe und Stiefel hoch hinaus.

Die Bündchen von Tops und Pullovern kletterten ebenfalls in die Höhe. Am Hals lagen sie als Steh- oder Rollkragen an; die Taillenpartie ließen sie vollkommen frei. Als Zierrat dienten Fake-Knopfleisten, frontal angebrachte Labels und provokante Aufschriften. Über die vorzugsweise weißen, schwarzen oder neonfarbenen Oberteile zog das Girlie von Welt einen kuscheligen Mantel aus Teddyfell oder ein gemütliches Jackett in Übergröße.

Umgekehrt ging es jedoch auch: Beim ebenfalls angesagten Layering-Look kam Kurzes über Langem oder Feines über Grobem zu liegen. So trugen viele Mädchen ihrer Zeit ein Tanktop über dem Pullover oder einen Rock über der Hose; Jungen dagegen kombinierten T-Shirts und Longsleeves so, wie es viele Nerds heute noch machen.

Ein ebenso außergewöhnlicher Look der 90er war der Grunge-Style. Nach dem Vorbild von Nirvana, Soundgarden oder Pearl Jam fanden grobe Schnürboots, Flanellhemden und Used-Jeans reißenden Absatz. Weibliche Fans des „Seattle-Sounds“ trugen knöchellange Kleider oder Röcke und dazu Strick-Cardigans oder Lederjacken.

Geeignete Ergänzungen für die jeweiligen Stile

Frisuren und Schmuck passten sich den wechselhaften Trends der 1990er-Jahre an:

Während das Haar für den sportiven Style pastellfarben getönt und zu Zöpfen gebunden wurde, musste es bei Grunge-Anhänger/-innen möglichst lang herunterhängen und wie unfrisiert wirken. Techno-Jünger zwirbelten ihre Strähnen gern zu igelig abstehenden Stacheln und/ oder ließen die Spitzen blondieren; bei Mädchen kamen in einzelnen Partien Krepp-Eisen und Haar-Mascara zum Einsatz. Zum Ende des Jahrzehnts schlug der Scheitel Zick-Zack-Linien oder verlief quer über den Kopf.

Auch die Accessoires waren auf den jeweils bevorzugten Look abgestimmt. Allen 90er-Jahre-Gruppen gemeinsam waren Rucksäcke in unterschiedlichsten Größen und Stilen – von winzig klein bis richtig edel. Baggy-Träger/-innen protzten gern mit Statement-Ketten im Gangsta-Style, Raver/-innen trugen Anhänger in Form von Trillerpfeifen oder glitzernden Schnullis und Grunge-Fans schmückten sich durch schlichte Lederbänder mit mattsilbernen Symbolen.

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