Was ist eigentlich Steampunk?

Was ist eigentlich Steampunk?Was ist eigentlich Steampunk?

Wer das erste Mal den Begriff „Steampunk“ hört oder liest, vermutet, dass es sich dabei um eine neuartige Musikrichtung aus dem Punk-Genre handelt. Weit gefehlt, Steampunk hat nichts mit Musik zutun. Was es genau mit diesem Begriff auf sich hat, zeigen wir in diesem Artikel.

Steampunk – ein Definitionsversuch

Steampunk bezeichnete ursprünglich eine literarische Gattung, dessen „Väter“ Jules Verne und H. G. Wells sind. Mit Romanen wie „20.000 Meilen unter dem Meer“ und „Die Zeitmaschine“ entwickelten die beiden Schriftsteller eine neue Variante des Science-Fiction, die bis heute viele Anhänger hat. Diese Anhänger werden jedoch nicht einzig und alleine von den literarischen Werken fasziniert, sondern der Thematik selbst. Die Steampunk-Welten spielen zur vik­to­ria­ni­schen Zeit im Zeitraum 1840 bis 1900, als die Indus­tria­li­sie­rung begann. Folglich hat Steampunk nicht eine einzige, eindeutige Definition, sondern mehrere Erklärungen, die alle richtig sind.

Wirft man einen Blick auf die Bezeichnung selbst, wird einem der Begriff „Steam“, also Dampf, ins Auge springen. Dampf hat in einigen Steampunk-Geschichten durchaus eine Rolle, er muss jedoch nicht zwingend vorkommen. Eine zentrale Rolle spielen viel mehr diverse Erfindungen, die es in unserer realen Welt nie gab, mit dem damaligen Stand der Technik jedoch machbar waren.

Abseits des technischen und zeitlichen Rahmens kommt der Ästhetik eine zentrale Rolle im Steampunk zugute. Das Aussehen von Technik und Mode orientiert sich im Großen und Ganzen an der viktorianischen Zeit, wobei es auch hier spezielle Variationen gibt. Die Mode des Steampunk-Genres ist heute sehr beliebt. Viele Menschen verkleiden sich gerne in ihrer Freizeit mit passender Kleidung, die Menschen dieser fiktiven Welt tragen würden, dazu aber später mehr.

Ein weiterer wichtiger Punkt bei Steampunk ist die Etikette und Sitte des viktorianischen Zeitalters: Es ist die Rede von einer romantisierten und idealisierten Sicht jener Zeit. Man trifft auf kultivierte Ladys und Gentleman, aber auch fleißige Menschen der Unterschicht, die dampfgetriebene Geräte erfinden. Der Punk kommt häufig in Form eines Querdenkers ins Spiel: Er widersetzt sich den Regeln der Gesellschaft und überzeugt häufig mit technischen Innovationen. Frauen üben gerne klassische Männerberufe aus und arbeiten zum Beispiel an öligen Maschinen.

Steampunk als literarisches Genre

Wie zuvor erwähnt, befinden sich die Wurzeln des Steampunks in den Geschichten von H. G. Wells und Jules Verne. Die Autoren beschrieben die zukünftige Technik aus Sicht ihrer Zeit zu Beginn des industriellen Zeitalters, als die Dampfmaschine der Vorreiter der Technik war, Elektrizität in den Kinderschuhen steckte und Uhrwerke langsam aber sicher mit hoher Präzision arbeiteten.

Während es die Konzepte des Steampunks bereits zu jener Zeit gab, trat der Begriff erstmals erst viel später im Jahr 1987 auf. In einem Brief an das „Locus Magazine“ schlug K. W. Jeter „Steampunk“ als Genrebezeichnung für den exzentrisch-historischen Stil seiner Kollegen vor. Steampunk war zu diesem Zeitpunkt auch eine Anspielung an das damals relativ neue Genre „Cyberpunk“.

Das Steampunk-Genre ist in seiner Grundidee mit den Alternativweltgeschichten vergleichbar. Auch dort gibt es viele verschiedene Aspekte, die nahtlos miteinander verschmelzen. Klassische Alternativweltgeschichten lassen in der Regel politische und soziale Umstände anders verlaufen, während die Technik mehr oder weniger dieselbe ist. Bei Steampunk dagegen liegt das Hauptaugenmerk auf der Technik, die völlig anders ist, als in der realen Welt. Typisch für Steampunk-Geschichten ist, dass sich die Industrialisierung mit Dampf stattfand und nicht mit Elektrizität. Nicht nur Züge werden mit Dampf betrieben, sondern auch Schusswaffen, Autos, Computer und andere Dinge.

Ein Großteil der Steampunk-Geschichten legt das Hauptaugenmerk auf den Bereich Science-Fiction. Einige Geschichten besitzen aber auch Elemente aus Kriminalromanen oder sind von naturwissenschaftlicher Natur. Moderne Werke haben eine gewisse Intertextualität erreicht. Sie gehen über den Bereich Science-Fiction hinaus und betreten Genre wie Fantasy und Horror. Im Großen und Ganzen sind die meisten Steampunk-Geschichten eine Art Retro-Futurismus, die sich mit dem Thema befassen, „was wäre wenn gewesen“. Im Zeitalter der industriellen Revolution treten Roboter gegen Menschen an, Menschen leben in schwebenden Städten, fliegen zu anderen Planeten und nutzen Computer.

Die Varianten des Steampunks

In der fiktiven Welt des Steampunks treibt die Dampfkraft praktisch alle Geräte an, also nicht nur Eisenbahnen, sondern auch Luftfahrzeuge, Computer, Raumschiffe, Roboter sowie andere aus Messing, Kupfer und Holz bestehenden Maschinen. Elektrizität gibt es, wird jedoch meist dazu genutzt, Menschen zu verändern oder heilen. Okkultismus, Magie sowie Geisterbeschwörungen sind ebenfalls in vielen Werken des Steampunk zu finden. Optisch orientiert sich das Genre an dem Jugendstil und Klassizismus. Das Design von Maschinen entspricht dem, was man von frühen Dampf- oder Elektrolokomotiven kennt.

Der Begriff „Steampunk“ wird als Genre-Bezeichnung akzeptiert und hat im Laufe der Zeit viele eigene Varianten hervorgebracht. Ihr Unterschied liegt häufig in der dargestellten Mode, Technik sowie dem Zeitgeist und sie sind häufig von der Zeitperiode abhängig:

  • Teslapunk: Die Verwendung von Elektrizität ist äußerst kreativ
  • Dieselpunk: Der Dieselmotor übernimmt die Rolle der Dampfmaschine (1920 – 1945)
  • Atompunk: Der Atomreaktor übernimmt die Rolle der Dampfmaschine (1945 – 1965)
  • Clockpunk: Der Fokus liegt mehr bei Aufzieh- und Uhrwerkmechanismen und weniger bei der Dampfkraft.
  • Gaslicht-Romantik: Entspricht dem klassischen Steampunk, die Welt ist jedoch weniger fortschrittlich und befindet sich meist in einer alternativen Zeitlinie.
  • DIY-Steampunk: Ein Lebensstil von Menschen, die alte technische Dinge im Stile des Steampunks recyceln, reparieren und umbauen.

Alle die zuvor genannten Steampunk-Varianten gehören in den Bereich Retro-Futurismus. Sie sind somit nicht mit der Steamfantasy zu verwechseln, bei die Dampftechnik in ein Fantasy-Umfeld eingebracht wird und einen magieähnlichen Stellenwert einnimmt.

Steampunk-Mode und -Kleidung

Kit Stolen war der erste Mensch, der in den 1990er Jahren Steampunk-Outfits herstellte. Seit diesem Zeitpunkt hat sich daraus ein eigener Modestil entwickelt. Im Prinzip basiert die Steampunk-Mode auf den Modestilen des viktorianischen Zeitalters und kommt damit der Lolita-Mode aus Japan sehr nahe. Die regionale Tracht, Gothic-Mode aber auch Cowboykleidung haben einen gewissen Einfluss auf die Steampunk-Mode. Die Kleidung wird durch Elemente ergänzt, die aus Steampunk-Fiktion stammt: Ein mechanischer Arm wird zum Beispiel von Uhrwerken angetrieben. Praktisch alle Steampunk-Kostüme sind handgemacht und besitzen viel Liebe zum Detail. Ihre Hersteller stecken viele Stunden Arbeit in ihre modischen Kunstwerke. Wer sich für ein Steampunk-Kostüm interessiert, jedoch nicht genug Zeit oder Begabung hat, es selbst herzustellen, kann es in unserem Onlineshop www.gladrags.de kaufen oder ausleihen. Unsere Steampunk-Kostüme sind perfekt für Menschen, die ihre Liebe zu diesem Genre zeigen möchten oder sich zu Karneval oder einem anderen Fest verkleiden möchten.

Steampunk-Mode teilt sich in mehrere Bereich auf:

  • Kleidung für Damen: Steampunk-Kleidung für Ladys orientiert sich überwiegend an dem viktorianischen Zeitalter. Das Ergebnis ist das Zusammentreffen von Eleganz und Extravaganz. Ein stilvolles Kleid wird gerne mit einem rassigen Korsett oder einer reizenden Ledercorsage kombiniert.
  • Kleidung für Herren: Das Spektrum der Steampunk-Herrenkleidung ist genauso breit gefächert wie das der Damen. Vom schicken Anzug mit Frack und Weste über ein Sherlock Holm ähnliches Kostüm ist alles für den Steampunk-Liebhaber dabei.
  • Zylinder, Hüte & Mützen: Das Steampunk-Kostüm wird mit einem passenden Hut abgerundet. Sowohl für Männer als auch Frauen gibt es zahlreiche Hüte, die das Gesamtbild perfekt machen.
  • Brillen: Absolut typisch für Steampunk sind die großen, runden Brillen. Ob eine Nickelbrille, Fliegerbrille oder Schweißerbrille – bei keinem Kostüm darf die auffällige Brille fehlen. Sie muss nicht zwingend getragen werden, sondern kann einfach nur als Accessoire auf dem Kopf sitzen.
  • Masken: Wer sein Gesicht hinter einer geheimnisvollen Maske verbergen möchte, dem stehen zahlreiche Möglichkeiten zur Verfügung. Die Masken werden zum Teil von Hand gefertigt und reichen von verspielt bis fantasievoll.
  • Waffen: Der klassische Steampunker geht keinen Schritt ohne seine Waffe. Besonders beliebt sind extravagante und schön verzierte Feuerwaffen, die einer Piratenpistole ähneln. Für die harten Genossen kommen auch rostige Eisenstangen, ein Vorschlaghammer oder eine Rohrzange infrage. Als Ladie möchte man natürlich etwas Handliches wie eine kleine Taschenpistole, die in der Handtasche verschwindet.
  • Accessoires: In puncto Accessoires gibt es keine Grenzen. Die Steampunk-Mode lebt von schönen und einfallsreichen Details. Der Gentleman wählt einen edlen Gehstock oder eine hochwertige Taschenuhr, für Damen gibt es Spitzenschirme und Fächer.

Artikelbild: © Kiselev Andrey Valerevich / Shutterstock

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