Mittelaltermärkte: Das Mittelalter heute erleben

Mittelaltermärkte: Das Mittelalter heute erlebenMittelaltermärkte: Das Mittelalter heute erleben

Für viele Menschen ist das Mittelalter eine eindrucksvolle Zeit, in der Könige regierten und Ritter ihre Königreiche verteidigten. Einige finden das Thema so spannend, dass sie das Mittelalter zum Teil ihres Lebens machen.

Das Mittelalter wird im Allgemeinen als ein dunkler Abschnitt unserer Geschichte beschrieben, in dem Krankheiten, Hunger, Not und Gewalt regierten. Deshalb ist es durchaus merkwürdig, dass sich so viele Menschen nach dem „guten, alten Leben“ dieser Zeit sehnen, die für die damalige Bevölkerung alles andere als unbeschwert war.

Dennoch gibt es in ganz Deutschland Menschen, die sich für die schöne Seite des Mittelalters begeistern können. Andere haben Spaß daran, aufwendige Kostümierungen herzustellen oder an nachgestellten Ritterkämpfen mit voller Leidenschaft teilzunehmen. Genau das ist auf sogenannten Mittelaltermärkten möglich, die in ganz Deutschland zu finden sind.

Was definiert das Mittelalter?

Das Mittelalter wird als die Zeit zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert nach Christi bezeichnet, welche wiederum in mehrere Epochen aufgeteilt ist: Frühmittelalter, Hochmittelalter und Spätmittelalter.

Ikonisch für das Mittelalter ist die Aufteilung der Bevölkerung in verschiedene Personengruppen: Frauen, Kinder, Bauern, Ritter, Adlige, Geistliche, Hörige und Bettler. Auch wenn es wenige Aufzeichnungen zum Alltag der Frauen im Mittelalter gab, geht man davon aus, dass sie bereits damals ein starkes Geschlecht waren, das den Ehemann bei allen Tätigkeiten unterstützte. So waren sie auch beruflich in vielen Bereichen tätig, von der Tänzerin über die Köchin bis hin zur Lehrerin. Dennoch standen Frauen wenige Rechte zu, gleichzeitig besaßen sie viele Pflichten.

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Wer jedoch vom Mittelalter spricht, der denkt nicht an den Alltag von Frauen, sondern Ritter. Bewaffnete Reiter gab es bereits in der Antike. In der Spätantike übernahmen auch die Römer diese bewaffneten Krieger, die die Stoßkraft ihrer Truppen erhöhte. Die Ausrüstung des Ritters wurde allerdings erst im 8. Jahrhundert erstmals durch den fränkischen Hausmeier Karl Martell gepanzert. Die „fränkischen Panzerreiter“ gelten heute als die „Vorreiter“ des klassischen Ritters aus dem späten Mittelalter.

Mindestens genauso charakteristisch wie der Ritter waren die mittelalterlichen Märkte. Der Marktplatz war nicht nur ein Ort des wirtschaftlichen Handelns, sondern auch ein Bereich, wo sich die verschiedenen Gesichter dieser Periode zeigten: Narrenspektakel und Geißlerumzüge, Bürger in schönen Gewänden neben Bettlern sowie „unehrlichen“ Menschen wie Totengräbern und Schindern. Auch wenn das Mittelalter in vielen Quellen sehr unterschiedlich dargestellt wird, ist man sich in einem Punkt einig: Die christliche Religion war ein Fixpunkt aller Lebensbereiche. Das ist bis heute durch die Kirche im Zentrum der Stadt zu sehen.

Das Mittelalter war aber auch die Zeit vieler Revolutionen: Abseits der Gründung der ersten Universitäten entstand auch die Marktordnung: Demnach war der Markt das Zentrum jeder mittelalterlichen Stadt. Ohne einen Markt wären viele Städte nie entstanden. Gemäß der Marktordnung wurden Wucher, Betrügerei und andere Delikte hart bestraft. Es wurde darauf geachtet, dass der Handel möglichst ohne Zwischenfälle ablaufen konnte.

Das Mittelalter erleben: Mittelaltermärkte im Rheinland und in NRW

Der mittelalterliche Markt hat bis heute überlebt, auch wenn nicht in seiner originalen Form. Die moderne Variante ist eine Marktveranstaltung mit Volksfestcharakter, welches von einem mittelalterlichen Ambiente inspiriert ist. Seit dem ersten Mittelaltermarkt in den 1980er Jahren genießen sie eine wachsende Popularität. In den USA sind die „Renaissance fairs“ seit den 1960er Jahren ein ähnliches Spektakel. Während dem Mittelaltermarkt kleiden sich Mitwirkende, Darsteller sowie Besucher in passende Gewandungen. Obwohl der Begriff „Mittelalter“ genutzt wird, geht es nicht um die detailgetreue Darstellung dieser Zeit.

Laut einem Veranstaltungskalender werden in diesem Jahr mehr als 600 Mittelaltermärkte in ganz Deutschland veranstaltet. Auch wenn Mittelaltermärkte tendenziell in ganz Deutschland zu finden sind, konzentrieren sich die Veranstaltungen auf die Rheinregion von Rheinland-Pfalz bis Nordrhein Westfalen. Dies liegt unter anderem an der hohen Anzahl an mittelalterlichen Altstädten und Burgen, die für das passende Flair eines sorgen.

Die diesjährigen Mittelaltermärkte bieten dieselben Themen wie in den vergangenen Jahren: Angefangen bei spektakulären Ritterkämpfen über Gaukler, Musiker und Quacksalber bis hin zu Märkten mit Handwerkern und Händlern. Besucher der Mittelaltermärkte im Rheinland und NRW können echtes Essen wie im Mittelalter sowie leckeren Honigwein genießen. Wo und wann der nächste Mittelaltermarkt stattfindet, kann man auf diesen Kalender erfahren.

5 Dinge, die Besucher eines Mittelaltermarktes erwarten

  1. Waren: Besucher eines Mittelaltermarktes finden zahlreiche zum Kauf angebotene Artikel, bei denen sich in erster Linie um Kunsthandwerkswaren aber auch Esoterikprodukte handelt. Beliebte Produkte sind Lederwaren, Kräuter, Keramik, Schmuck, Waffen und mittelalterliche Kostüme.
  2. Künstler: Die typischen Künstler sind Musikanten, die das Geschehen untermalen. Es gibt aber auch eigenständige Konzerte auf dem Marktgelände. Neben Musik gibt es auch Erzählungen, Theaterstücke, Schwertkämpfe und Akrobatik.
  3. Turniere: Das Highlight vieler Mittelaltermärkte sind die Schaukämpfe. Die Ritterturniere werden von kommerziellen Gruppen vorgeführt, die ein choreographiertes Schauspiel vortragen.
  4. Strafjustiz: Einige Märkte stellen Nachbildungen von Einrichtungen der Justiz aus oder bieten sie zum Verkauf an. Beliebt sind die Holzversion des Prangers sowie die Halsgeige.
  5. Marktsprech: Auf vielen Märkten sprechen Darsteller und manche Besucher in geschraubter Sprechweise. Floskeln wie „Edler Recke“ oder „Seyed gegrüßt“ stärken das Ambiente des Mittelaltermarktes. Hinzu kommen lustige Bezeichnungen für Standardartikel, der „Taschendrachen“ bezeichnet zum Beispiel ein Feuerzeug.

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