Der Beginn der fünften Jahreszeit: Bräuche rund um die Karnevalszeit

Der Beginn der fünften Jahreszeit: Bräuche rund um die KarnevalszeitDer Beginn der fünften Jahreszeit: Bräuche rund um die Karnevalszeit

Der Karneval ist das beliebteste Volksfest in Deutschland. Wie bei jedem anderen Fest auch gibt es auch bei diesem viele unterschiedliche Bräuche, die die Fünfte Jahreszeit einläuten. Einige davon stellen wir in diesem Artikel vor.

Karneval, Fastnacht, Fasching: Die unterschiedlichen Bezeichnungen

Bereits die Bezeichnung dieses Volksfestes ist von Region zu Region unterschiedlich. In Nordrhein-Westfalen nennt man die närrische Zeit Karneval. In Rheinland-Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg wird dagegen die Fastnacht gefeiert, während das Fest in Bayern, Thüringen und Brandenburg als Fasching bekannt ist.

Nicht nur die Bezeichnung des Volksfestes ist verschieden, auch bei ihrem Beginn ist man sich nicht ganz einig. In den meisten Regionen der Bundesrepublik beginnt die Fünfte Jahreszeit am 11. November um 11:11 Uhr und wird bis Aschermittwoch gefeiert. Lediglich im Südwesten beginnt die Fastnacht am Dreikönigstag (6. Januar).

Der Beginn der närrischen Zeit

Der Beginn der Fastnacht wird mit verschiedenen Bräuchen eingeläutet. Ein beliebtes Ritual ist das sogenannte Fastnachterwecken. Bei diesem Brauch wird eine Strohpuppe verwendet, die den Karneval personifiziert. Die Puppe wird aus einem Grab geholt, aus einem Brunnen gezogen oder vor der Stadt abgeholt. Während dieser „Auferweckung“ wird in der Regel auch die erste Karnevalsrede gehalten.

In Süddeutschland ist der Brauch bekannt, zum Anfang der Fastnacht einen Narrenbaum aufzustellen. Dieser ist das Symbol der Narrenfreiheit und soll für alle sichtbar sein. Der Narrenbaum wird in der Regel zu Weiberfastnacht errichtet.

Das Vermummen

Zu Karneval darf sich jeder buchstäblich in eine andere Person versetzen. Das Kostümieren ist ein beliebter Brauch zu Karneval, der von allen Leuten gerne ausgeübt wird. Ob als Hexe, Clown, Cowboy oder Klempner – wer sich verkleidet, offenbart dem Volk etwas von seiner Persönlichkeit. Beim Karneval kann jeder aus seiner gewöhnlichen Haut schlüpfen und sein wahres Ich zeigen.

Diese Tradition ist scheinbar ein vorchristlicher Brauch. Der Rollentausch hat aus historischer Sicht jedoch einen gesellschaftlichen Ursprung. Die Armen haben sich früher gerne als Reiche verkleidet. Gleichzeitig war es für die Wohlhabenden reizvoll, in das Gewand eines Bettlers zu schlüpfen.

Das Lärmen

Das Verkleiden ist nur eine Möglichkeit, um beim Karneval auf sich aufmerksam zu machen. Eine Weitere ist das Lärmen: Dieser Brauch diente ursprünglich der Vertreibung von Dämonen. Menschen waren früher davon überzeugt, dass Dämonen für die Jahreszeiten verantwortlich waren. Nur mit viel Lärm konnte man die bösen Dämonen und somit auch die Kälte verjagen. Damals nutzen die Menschen alle möglichen Gegenstände, heute übernehmen Instrumente wie Trompeten und Pauken diese Funktion.

Das Zempern

Beim Zempern, auch Heischegang genannt, ziehen kostümierte Gruppen mit Gesang und Musiker von Haus zu Haus und sammeln Lebensmittel und finanzielle Gaben ein. Dieser Brauch unterscheidet sich in seiner Durchführung von Region zu Region. Im Norden Sachsens wird der Brauch von Erwachsenen durchgeführt, welche von ihren Gastgebern einen Schnaps spendiert bekommen. Im Erzgebirge dagegen sammeln Kinder Brezeln an einem Fichtenast.

Das Narrengericht

Eine klassische Fastnachtssitte sind die Beschimpfung, Verspottung sowie Nachahmung. Besonders interessant und außergewöhnlich ist das Narrengericht, auch Rügegericht genannt. Bei diesem Brauch wird ein vermeintlicher „Angeklagter“ ausgewählt, welcher sich verteidigen muss. Ähnlich wie in einem Gerichtsverfahren werden Zeugen vorgeladen und am Ende ein Urteil ausgesprochen.

Die Schlüsselübergabe

Im rheinischen Karneval darf die symbolische Schlüsselübergabe der Stadt oder des Rathauses an die Frauen zu Weiberfastnacht beziehungsweise den Prinzen Karneval nicht fehlen. Die Übergabe des Schlüssels ist ein symbolisches Zeichen der Machtübergabe an einen Nachfolger beziehungsweise Mächtigeren. Zu Weiberfastnacht erinnern sich die Menschen an die Zeiten, in denen Frauen weniger Rechte als Männer hatten.

Karnevalssitzungen

Anfang des 19. Jahrhunderts durchlebte der Karneval eine Reform. Die damalige Karnevalssitzung war eine Versammlung der Mitglieder eines Karnevalsvereines, welche zunächst nur aus Männern bestand. Bei den Zusammenkünften wurden nicht nur reichlich Alkohol und gutes Essen genossen, man amüsierte sich auch mit Vorträgen und frechen Liedern.

Im Laufe der Zeit wurden die Sitzungen immer umfangreicher. So hielten die Redner nicht mehr simple Reden, sondern führten ihre Stücke auch bildlich vor. In der späteren Entwicklung wurde die Bütt der Ort, an dem die Büttenrede vorgetragen wurde. Später wurde die Sitzung von dem Elferrat geleitet. Irgendwann war die Karnevalssitzung auch nicht mehr ausschließlich eine Aufführung für Männer, es wurden auch Frauen zugelassen.

Die Fastnachtshühner

Vor vielen Jahrhunderten wurden Eier als flüssiges Fleisch angesehen, wodurch ihr Genuss unter das Fastengebot fiel. Um die Eierproduktion während der Fastenzeit einzuschränken, gaben die Menschen jener Zeit sogenannte Fastnachtshühner ab und verzehrten sie. Alle Eier, welche in der Fastenzeit von den Hühnern gelegt wurden, sammelten die Menschen und bewahrten sie für spätere Zwecke auf. Ein Teil wurde gekocht, gefärbt und zu Ostern verwendet. Andere Eier verwendete man am Ostermontag für Eierspiele. In Schriften ist davon die Rede, dass in Nürnberg im Jahr 1500 das Eierwerfen ein beliebter Fastnachtsbrauch war.

Cheryl Casey / Shutterstock.com

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